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Thema: Zukunft von CMS wie Contao

  1. #1
    Contao-Nutzer Avatar von MuellerM
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    Frage Zukunft von CMS wie Contao

    Ich denke aktuell viel über KI nach. Wo ist denn in euren Augen noch die Rechtfertigung für die doch recht kostenintensiven Contao Websites?
    - Sicherheit
    - Datenschutz
    - Inhalte selbst pflegen, gerade in großen Firmen
    - Lange Planungssicherheit

    Ein Kunde hat mich nur kurz darüber ins Bild gesetzt, das er seine Site nun selbst gegen eine Vibe programmierte Website ersetzt. Ich weiß zwar schon was ich dann beobachten werde mit ungefragten Cookies, Google Fonts nachgeladen, kein HTML für die Suchmaschine/KI, sondern per Javascript nachgeladener Inhalt, Ranking Verlust weil keine Eintragungen in der Search Console usw.

    Ich selbst gehe aktuell hin und nutze überwiegend Contao, integriere mit der KI erstellte Abschnitte in HTML als Inhaltselement und externem CSS. Abschnitte welche die Kunden selbst ändern sollen setzte ich Contao intern um. Wir positionieren uns natürlich auch sehr stark über Konzept und Design.

    Aber mich würde trotzdem das Stimmungsbild hier interessieren. Wie ist das bei euch? Wie positioniert ihr euch in der Zukunft?

    Schönen Start ins Wochenende

  2. #2
    Contao-Fan Avatar von BennyBorn
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    Zitat Zitat von MuellerM Beitrag anzeigen
    Wo ist denn in euren Augen noch die Rechtfertigung für die doch recht kostenintensiven Contao Websites?
    Qualität, Fachwissen und Verständnis für das Gesamtprojekt - ungeachtet des gewählten CMS.

    Zitat Zitat von MuellerM Beitrag anzeigen
    Wie ist das bei euch? Wie positioniert ihr euch in der Zukunft?
    Ich sehe das relativ entspannt.

    Ja, die "kleinen" Kunden, die im Grunde nur eine statische Website benötigen, werden künftig - sofern sie technisch einigermaßen affin sind - vermutlich häufiger zu KI-generierten Lösungen greifen. Warum auch nicht? Für eine überschaubare monatliche Gebühr bekommt man heute bereits erstaunlich gute Ergebnisse.

    Meiner Erfahrung nach haben größere Unternehmen aber ganz andere Anforderungen.
    Natürlich hält auch dort KI immer stärker Einzug, bisher allerdings überwiegend als Werkzeug für einzelne Bausteine oder zur Unterstützung bestehender Prozesse.

    Du kannst einer KI heute sagen: "Baue mir eine Website mit diesem Inhalt." Das Ergebnis kann durchaus beeindruckend sein.
    Eine Website besteht jedoch aus deutlich mehr als HTML, CSS und etwas JavaScript.

    Als Agentur oder Entwickler weiß man, dass dazu unter anderem auch gehört:

    • Informationsarchitektur
    • Content-Strategie
    • SEO / GEO
    • Performanceoptimierung und Ladezeiten
    • Accessibility
    • DSGVO-Konformität und rechtliche Anforderungen
    • Backups
    • Monitoring
    • Wartung
    • Erweiterbarkeit
    • Sicherheit
    • usw.


    Auch dabei kann KI inzwischen unterstützen.
    In der Regel aber nur dann, wenn man genau weiß, welche Anforderungen bestehen und diese entsprechend formuliert oder bereits ein tragfähiges Konzept mitbringt.

    Zitat Zitat von MuellerM Beitrag anzeigen
    kostenintensiv
    Was verstehst du denn unter "kostenintensiv"? 500 €, 5.000 € oder 50.000 €?

    Beim aktuellen KI-Hype wird meiner Meinung nach oft vergessen, dass KI letztlich ebenfalls nur ein Werkzeug ist - und meistens ein kostenpflichtiges.
    Die überwiegende Mehrheit nutzt dafür Dienste von Anbietern wie OpenAI oder Anthropic und nicht lokal betriebene Modelle.
    Damit macht man sich auch von deren Preisgestaltung und Geschäftsmodell abhängig. Gerade in den letzten Jahren haben wir bereits mehrfach erlebt, dass Preise für solche Dienste steigen.

    Dazu kommt ein weiterer Punkt: Wer heute seine komplette Website ausschließlich per KI erstellt, muss sie morgen auch weiterentwickeln und warten können.
    Ich bin mir nicht sicher, wie viele Agenturen in fünf Jahren begeistert einen historisch gewachsenen KI-Codebestand übernehmen werden.
    Je größer und komplexer ein solches Projekt wird, desto aufwendiger und damit auch teurer kann eine spätere Überarbeitung werden.

    Zitat Zitat von MuellerM Beitrag anzeigen
    Wie positioniert ihr euch in der Zukunft?
    Wir behalten unseren Kurs grundsätzlich bei und setzen weiterhin auf ein klassisches CMS.
    Natürlich nutzen auch wir KI, allerdings als Werkzeug, um Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und Zeit zu sparen, nicht als Ersatz für Fachwissen oder Architekturentscheidungen.

    Für mich ist KI kein Ersatz für einen Entwickler, sondern ein sehr leistungsfähiges Werkzeug.
    Wer sie sinnvoll einsetzt, wird produktiver. Wer sich ausschließlich darauf verlässt, geht aus meiner Sicht ein kaum kalkulierbares Risiko ein.

  3. #3
    Wandelndes Contao-Lexikon Avatar von zonky
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    Für mich steht eine eher weitgreifende Frage im Raum: wie lange braucht es noch eine klassische Webseite?

    Sieht die Zukunft ggf. so aus, dass man einige MD-Dateien und ein paar Bilder bereit stellt und der Rest wird von KI erledigt?

    Es wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis man seine Informationen bei der KI-Ausgabe gegen Geld pushen kann - ich gehe davon aus, dass Google entsprechende Ideen schon in der Schublade hat.

  4. #4
    Contao-Urgestein Avatar von Samson1964
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    Softwareentwickler David Tielke hat ein Experiment gemacht und eine Enterprise-Software von der KI entwickeln lassen. Die Codequalität der KI war bei Note 1-2, auch weil Tielke viel in die Prompts gesteckt und selbst ein großes Fachwissen hat, das er mit der KI teilen konnte. Die von der KI erstellte Doku war deutlich besser, als von einem menschlichen Entwicklerteam. Er hat auch mehrere Entwicklerteams den Aufwand schätzen lassen. Die geschätzten Kosten lagen bei 2 Millionen Euro, Tielke brauchte nur rund 1500 Euro, wobei er teilweise zwei 20Max-Abos von Claude nutzte und trotzdem öfter an das Limit stieß. Bei der Entwicklungsdauer kamen 19 Personenjahre zusammen für menschliche Entwickler. Die KI war 93 mal schneller.

    Fazit von Tielke: Die KI-Entwicklung macht ihm Sorgen, aber man bekommt das Problem nicht mehr weg. Qualität und Schnelligkeit der KI haben ihn sprachlos gemacht. Abschließende Frage für ihn war, ob jeder so eine Anwendung entwickeln kann. Nein, denn die KI ist nur ein Superwerkzeug, wenn man die Grundlagen der Softwareentwicklung verstanden hat und richtig mit der KI kommuniziert.

    https://www.youtube.com/watch?v=eLDHrqKplVI
    Geändert von Samson1964 (Gestern um 12:26 Uhr)
    Viele Grüße
    Frank

    Seit Mai 2013 Fan von Contao
    Webmaster vom Deutschen Schachbund und Berliner Schachverband
    Mein Blog: Schachbulle
    Meine Erweiterungen bei GitHub
    Meine Videos auf YouTube: Playlist zur Contao-Programmierung/Einrichtung

  5. #5
    Community-Moderatorin & Contao-Urgestein Avatar von mlweb
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    Zitat Zitat von MuellerM Beitrag anzeigen
    Ein Kunde hat mich nur kurz darüber ins Bild gesetzt, das er seine Site nun selbst gegen eine Vibe programmierte Website ersetzt.
    ....
    Ich selbst gehe aktuell hin und nutze überwiegend Contao, integriere mit der KI erstellte Abschnitte in HTML als Inhaltselement und externem CSS. Abschnitte welche die Kunden selbst ändern sollen setzte ich Contao intern um. Wir positionieren uns natürlich auch sehr stark über Konzept und Design.

    Aber mich würde trotzdem das Stimmungsbild hier interessieren. Wie ist das bei euch? Wie positioniert ihr euch in der Zukunft?
    Jetzt ist es KI, zuvor waren es die Baukästen.
    Für einfache statische Websites kann das sinnvoll sein.

    Ich positioniere mich da nicht anders als früher.


    • manche Kunden einfach ziehen lassen
    • fragt der Kunde
      • Unterschiede bzw. Vor- und Nachteile herausarbeiten
      • Folgen eines Umstiegs erläutern, wenn der schief geht

    • preislich keine Abstriche machen, nur um diese Aufträge auch zu bekommen
    • abwarten bis der ein oder andere Kunde Schiffbruch erleidet, weil er mehr möchte als der Baukasten kann oder man ihm kostengünstig vibecodet
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    Für Dinge die man mit html5 und css3 lösen kann, braucht man kein javascript.




  6. #6
    Wandelndes Contao-Lexikon Avatar von tab
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    Tja, was lernt uns das? . Gute Frage. Ich habe mir das Video mal komplett angeschaut und nein, die Gesamtkosten waren nicht nur 1500 Euro, das waren nur die Kosten für die reine KI-Nutzung. Daneben hat er auch noch ca 45 8-Stunden Tage seiner Zeit investiert, hauptsächlich nachts. Von den Jahren, die er gebraucht hat um das Wissen zu haben, das er hierzu benötigt und genutzt hat, müssen wir nicht reden. Klar ist für mich: Ich hätte das nie und nimmer so hinbekommen, schon gar nicht in der Zeit und ganz sicher nicht ohne das ganze Wissen, oder zumindest ohne einen großen Teil davon. Und er hätte es andererseits - trotz seines Wissens - auch ganz sicher nicht so schnell und gut ohne KI-Unterstützung hinbekommen.

    Letztlich ist es also so, dass man schon einen oder besser mehrere solche Experten braucht, um in dieser Geschwindigkeit und mit dieser Qualität (die ich bisher nicht beurteilen und nur glauben kann) Code zu erzeugen. Die Diskrepanz zwischen dieser Qualität und der Qualität der wohl live erzeugten Untertitel hat mich schon etwas zum Schmunzeln gebracht. Diese Qualität war sicher nicht zwischen 1 und 2, eher eine wohlwollende 4-5.
    Aber immerhin, in großen und seriösen Agenturen gibt es sicher solche Leute, welche die für diese Art von Code-Entwicklung gebrauchte Qualifikation mitbringen. Auch unter den Contao-Entwicklern sehe ich da so einige. Mit Contao-Entwickler meine ich hier natürlich nicht (nur) das Core-Entwickler Team.

    Das Ganze steht und fällt mit der Expertise der Entwickler. Ich hatte im letzten halben Jahr das Vergnügen, die Entwicklung eines Portals mit KI verfolgen zu können. Hier war die Expertise nicht im gleichen Maße gegeben, dementsprechend ist das (End?)Ergebnis zwar immer noch optisch, funktional und von der Seitenzahl her durchaus beeindruckend, brauchte aber doch so einige Korrekturläufe, um die gröbsten Klopper zu beheben. Das mobile Layout hat immer noch Probleme. Das lief eben auf einer ganz anderen Ebene ab, die einzige Ähnlichkeit war, dass alles KI-generiert war und selbst die DNS-Einträge von der verwendeten KI ins Deutsche übersetzt wurden - was keine besonders gute Idee war. Kein Claude, kein Harness (oder eine der paarundzwanzig anderen Schreibweisen aus dem Youtube-Video . Ok, keine leichte Aufgabe für die KI, bei der Sprechgeschwindigkeit wäre sogar Dieter Thomas Heck blass geworden)
    Geändert von tab (Gestern um 18:13 Uhr)

  7. #7
    Contao-Fan
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    Ein Kunde konfrontiere mich mal damit, dass ich mir Sorgen um meine Existenz machen müsste. Er berichtete von dem (sicher berühmten Beispiel), wo ein Scribble einer Website auf eine Serviette gekritzelt wurde, und rums bums war die Website fertig. Er fragte mich, ob ich nicht etwas antiquiert arbeiten würde weil Sie ja noch viel zu Fuß machen.

    Ich sehe die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das lachende Auge: beispielsweise dieser Kunde wäre nicht in der Lage gewesen, ein Scribble einer Website zu erstellen. Denn hier liegt ja Planung drin. Dasselbe mit Prompts und mit der Betrachtung dessen, was KI zurück gibt. Man muss es eben auch überprüfen und bewerten können. Ich arbeite auch für kleinere Arbeitsschritte mit KI und muss die Spreu vom Weizen trennen. Die Arbeit verändert sich, aber zum Bedienen eines KI-Tools muss man verstehen, was man da tut.
    Ich sehe es auch noch nicht, dass ambitionierte Leute mit viel Halbwissen auf Kundenseite auch nur Teilschritte übernehmen. Ich bekomme oft Mails mit "wir haben mal ChatGPT gefragt, und...." ... und dann muss ich das erstmal Wegatmen. Je nach Geduldsfaden erkläre ich dann, warum ChatGPT da keine gute Antwort geliefert hat. Und fast immer liegt es an der Fragestellung.

    Vibe coding is a popular software development practice where you build apps or websites by simply describing your ideas, design preferences, and goals in natural language to an AI. Rather than writing code line-by-line, you let the AI handle the complex programming and logic.

    Ideas? Können sie oft gar nicht formulieren.
    Design preferences? Sie wissen oft nicht, was gut ist für ihr Unternehmen.
    Goals? Tja. "Mehr Umsatz!" Haha.

    Das weinende Auge: Ich sehe leider sehr viele Menschen, meist irgendwelche Schweinchen-Schlau-Entscheider, die sich selbst als Visionäre empfinden und einem Hype hinterher laufen - aber eben ohne zu wissen, was sie tun. Sie kommen auf absurde Ideen, wie "200 Texte, die ChatGPT geschrieben hat, 1:1 in die Website zu übernehmen", um "noch besser bei Google" gefunden zu werden. Das konnten sie dann ohne mich machen. Und man kann sich denken, wie das gegen die Wand gefahren ist, weil Google kurz darauf seine KI-Ergebnisse vor den organischen Index setzte. Man ahnte das auch schon. Aber solche Leute sind oft komplett beratungsresistent. Der Mist ist nur, dass man so auch Kunden verliert. Ziehen lässt. Wie auch immer man es formuliert, sie sind eben nicht mehr da. Gefühlt kippen sie einfach weg, weil sich Schwachsinn breit macht.

    Jetzt ist es KI, zuvor waren es die Baukästen.
    Sehe ich ähnlich.

    KI-Tools wie auch Baukästen (WIX, Elementor etc.) sind keine großen Chancen für Unternehmer, Ihre Websites günstiger herzustellen. Sie sind viel mehr Verführer, günstig und schnell an schlechte Resultate zu kommen. Nicht weil die Tools nicht für gute Ergebnisse taugen würden. Sondern weil der Mensch, der sie bedient, eine entsprechende Kompetenz besitzen muss.

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